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Freitag, 21. November 2008

0811-23 / Ersatzteile günstig abzugeben ?

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Kennt ihr den Unterschied zwischen einem Austauschmotor

und einem Herz der Organspende ?




Vor vielen Jahren hatte ich für meinen Wagen einen Austauschmotor benötigt unddie nötigen Finanzen vorausgesetzt, konnte ich nach Einbau des Motors die Reise fortsetzen.

Vor ebenfalls vielen Jahren hatte ich während eines Europa-Urlaubs vermeintlich eine Grippe, der gerufene Arzt verschrieb mir Grippemedikamente und das Fieber war am Folgetag weg. Am Tag darauf jedoch hatte ich jedoch wieder Fieber - diesmal jedoch höheres Fieber. Wieder kam der gleiche Arzt, verschrieb mir Antibiotika und das Fieber war am Folgetag wieder weg. Am Tag darauf begann jedoch das Fieber erneut, stieg aber noch höher an als zuvor und bis zum späten Abend war das Fieber bereits auf über 41°C und meine Bekannte rief über die Hotelrezeption den Notarzt und Krankenwagen. Bei Eintreffen des Notarztes war meine Temperatur - gemessen unter der Achsel - bei 42,6°C - und ich fühlte mich wohl dabei und meinte, man brauche mich nicht mehr ins Krankenhaus zu bringen.

Es war ein schöner Tod. Seither macht mir auch der Tod keine Angst mehr - denn ich weiß, daß es keinen Tod gibt, allenfalls für den Körper, aber nicht für das, was man selbst ist: die Seele.

Ich starb beim Hineinschieben der Bahre in den Krankenwagen. Die Besatzung des Wagens fuhr mit Blaulicht wirklich sehr sehr schnell in Richtung Klinikum München-Harlaching. Die Fahrt dauerte etwa 15 bis 20 Minuten. Den gesamten Weg auch bis hinein im Krankenhaus hatte ich alles "von oben" verfolgt. Im Klinikum stellte man meinen Tod fest, versuchte aber bei "dem jungen Kerl", ob sich nicht doch noch etwas tun ließe. Die Temperatur war immer noch sehr hoch. Kurz gesagt: es gelang der Ansammlung von Ärzten mich wieder zurückzuholen, was im Klinikum noch etwa 10 bis 15 Minuten dauerte. Auch alles was die Ärzte unternahmen, um mich wieder zurückzuholen, hatte ich "von oben" verfolgt. Der Zeitablauf legt nahe, daß bereits der Hirntod eingetreten war. Was sicherlich rettend war, war, daß im Februar in München die Außentemperatur bei -18 bis -20°C lag. Ich hatte lediglich Malaria Quartana - das ich dann im Klinikum Harlaching selbst behandelte, weil mir die wiederkehrenden Fieberanfälle schlicht lästig wurden.* Junger Mann, sportlich und körperlich sonst fit - eigentlich ein Idealfall für die Organentnahme. Was den "jungen Mann" rettete, war, daß die Organtransplantation in diesen Jahren noch nicht so weit fortgeschritten war - ich also kein lukratives Ersatzteillager war.

Und hier komme ich zu der ethischen Frage: Ist eine Organtransplantation, ist eine Organentnahme ethisch verantwortbar?

Wäre sie es gewesen, dann würde ich heute hier nicht mehr schreiben können. Ich hätte mich den Aufgaben, die mir dieses Leben bereithielt, nicht mehr stellen können.

Seinen Körper, oder die Beziehung zu seinem Körper hat man im Moment des Hirntodes noch lange nicht verloren, erst wenn die Organe versagen (absterben), verliert man auch seine Bindung zum Körper. Die Zeiten, die allgemein bis zum definitiven Tod angenommen werden - sind ganz davon abhängig, wer dies aus welchem Interesse heraus beurteilt.

Eine meiner Töchter war bei der Geburt durch die Nabelschnur stranguliert. Herz und Atmung hatten keinerlei Funktion mehr. Bis zum Wiedereintritt in Lebensfunktionen dauerte es über 38 Minuten - wäre ich nicht anwesend gewesen, so die eigene Aussage der Ärztin, hätte sie ihre Reanimationsbemühungen nach 10 Minuten aufgegeben - und meine Tochter hätte letztes Jahr sicher nicht ihr Studium an der Uni ... in ... erfolgreich abschließen können.

Aber dann ist man für das AusSCHLACHTEN des Körpers auch uninteressant geworden. Zum Schlachten braucht man frische, lebensfähige Organe. Ein Organ, das seine Funktion aufgibt, d.h. "gestorben" ist, beginnt auch mit der Zersetzung der Zellen. Besonders drastisch ausgedrückt: die Zersetzung läßt sich auch riechen, wenn man ein Stück Fleisch im Kühlschrank etwas länger aufhebt. Völlig frisches Fleisch vom geschlachteten Rind ißt man auch nicht, es muß abgehangen sein.

Nun steht es natürlich im Ermessen eines Jeden, ob er für sich einen Organspenderausweis beantragt. Das ist eine Entscheidung, die einem niemand abnehmen kann. Es mag auch davon abhängen, ob man Familie hat, ob man einen Sinn im Leben sieht. Oft aber werden auch Organe zur Transplantation angeboten, zu deren Entnahme der "Spender" seine Einwilligung NICHT gegeben hat. Solche Fälle sind nicht nur aus Ländern, wie Rumänien, bekannt geworden. Immerhin gibt es genügend Organempfänger, die bereit sind sehr hohe Preise für Spenderorgane zu bezahlen. Die Relativierung auf das Recht auf Leben schreitet voran.

Oder wie es kürzlich ein "Professor" empfohlen hatte: Hartz-IV-Empfänger sollten doch ihre Organe verkaufen, wenn die Hartz-IV-Bezüge nicht ausreichen. Von diesem unethischen Vorschlag bis hin zur Umsetzung durch die Agentur für Arbeit ist es eher eine Frage der Zeit, bis sich "unsere" Politiker mit dieser Idee anfreunden. Vielleicht sind dann auch noch Provisionen für Politiker drin.

Eigenartig daran ist nur, daß dabei stillschweigend hingenommen wird, daß der Spruch: "Wenn du arm bist, mußt du früher sterben" zur scheinbar absoluten Normalität verkommen ist. Mit implantierten Chips hätten dann die Transplantationszentren auch einen Überblick über den Gesundheitszustand der Organe.


Anlaß zu diesem Artikel ist nachstehender Beitrag, der auf Eltern zurückgeht, die sich im Nachhinein der Frage gegenübersahen, wann denn Leben aufhört.

(*NB: Eine Reihe von Malaria-Typen lassen sich dauerhaft und ohne bleibende Folgen heilen - allerdings sind einige wirksame Medikamente in Deutschland verboten. Begründung: in 0,5% der Fälle ist das Medikament tödlich -- dummerweise ist diese Malariavariante in 100% der Fälle tödlich. Also wer die Wahl hat ... )

Rumpelstilz / Politik-Global

Was ist das für ein Tod, bei dem der Mensch noch lebt?


Jürgen Meyer, Vater von Lorenz

Der Philosoph Hans Jonas, der die Anfänge der Organtransplantation in den USA erlebt hat, bezeichnete diese neue Medizin später als Vivisektion und lehnte sie als inhuman ab. Nachdem er vergeblich gegen die Gleichsetzung von "Hirntod" mit dem Tod des Menschen gekämpft hatte, sagte er, dass wohl nur die Zeugnisse von Betroffenen, speziell von Müttern, ein Umdenken bewirken könnten.

Mir fällt es nicht leicht, über die Organentnahme bei unserem Sohn Lorenz zu berichten. Das ist ein traumatisches Geschehen. Das Trauma kommt allerdings nicht daher, dass ich nicht gelernt hätte, mit dem Tod unseres Kindes zu leben, wie manchmal mehr oder weniger versteckt unterstellt wird.

Über das Kind, den Unfall, den Tod und die Zeit danach kann ich gut sprechen. Das half mir sogar sehr in der Trauer. Ganz anders verhält es sich mit der Organentnahme. Die hatte ich verdrängt, darüber hatte ich Jahre nicht geredet - noch nicht einmal mit meiner Frau. Ich hatte mich geschämt und ich schäme mich noch heute, dass ich mich habe manipulieren und beim Sterben des Kindes wegschicken lassen, statt es zu begleiten bis zuletzt.

Einige sagen, so etwas komme heute in ihren Krankenhäusern nicht mehr vor. Aber das stimmt nicht. Die Methoden der Beeinflussung sind nur verfeinert und optimiert worden - zur Gewinnung von mehr Organen. Die Ausgangssituation ist gleich geblieben und sie wird sich nicht ändern, weil die Organtransplantation auf Kosten der liebevollen Begleitung im Sterben geht. Auch die Schocksituation, in der sich die Angehörigen befinden, lässt sich nicht wegzaubern. Sie wird, wie wir von Berichten über Eschede oder Kaprun wissen, ohnehin nur bei Katastrophen mit vielen Toten genügend berücksichtigt. Dass für alle Eltern, die plötzlich ein Kind verlieren, eine keinesfalls geringere Katastrophe eingetreten ist, wird meist vergessen.

Wir waren nach dem Unfall im Schock und nicht in der Lage eine eigene Entscheidung zu treffen. Wir hätten damals alles getan, wozu wir aufgefordert worden wären. So geht es leider den meisten Betroffenen. In dieser Ausnahmesituation, in der man das Geschehen noch lange nicht begreift und in der der Verletzte lebendig vor einem liegt, mit Organtransplantation überrascht zu werden, empfinde ich als Manipulation und Grausamkeit.

Ich wollte doch bei dem Kind sitzen, ihm die Hand halten, es liebevoll begleiten.

  • Statt dessen die Frage, ob wir Organe spenden wollten, die Aufzählung aller benötigten Organe, keine Information zum schrecklichen Ablauf der Organentnahme bei fortdauernder Beatmung.

  • Statt dessen habe ich habe mir über die vorgelegten Fragen den Kopf zerbrochen, bin herum gerannt, habe telefoniert - war unfähig, klare Gedanken zu fassen.

Ich habe dann die Quälerei mit der Zustimmung in die Nierenentnahme beendet, weil ich endlich in Ruhe gelassen werden wollte, weil ich ganz für unser Kind da sein wollte.

Nach der Missachtung der Zusagen, das Kind auf der Station aufzubahren, und dem Anblick des entstellten Kindes kamen Zweifel auf, ob wirklich nur die Nieren entnommen worden sind. Diese Zweifel habe ich sofort wieder verdrängt. Erst viel später verlangten wir die Unterlagen vom Krankenhaus. Die gab es angeblich nicht.

Die Antwort nach jahrelangem Schriftwechsel lautete: Weil die Entnahme keinen Patienten mehr beträfe sondern einen Toten, sei sie nicht in der Krankenakte dokumentiert. Andere Dokumente waren widersprüchlich und unvollständig.

Trotzdem zeigten die lückenhaften Unterlagen, dass selbst die Ärzte nicht an den "Hirntod" als Tod des Menschen glaubten.

Wie wenig an den "Hirntod" als Tod des Menschen geglaubt wird, zeigt auch dem Umgang mit Narkose- und Schmerzmitteln. Einige Ärzte geben beides, andere nur eins davon oder überhaupt nichts. Selbst der Umgang mit Angehörigen von "Hirntoten" ist unterschiedlich, je nachdem, ob brauchbare Organe vorhanden sind oder nicht. Bei einem Kind, dessen Organe durch eine Infektion unbrauchbar waren, wurde den Eltern gesagt: "Bleiben Sie bei Ihrem Kind, es lebt noch, es versteht Sie irgendwie, begleiten Sie es bis zuletzt, das hilft später."

Im selben Krankenhaus wurde bei einem anderen Kind mit brauchbaren (transplantablen) Organen gesagt: "Das Kind ist tot, da sind keine Empfindungen und Wahrnehmungen mehr, das einzige, was Sie noch tun können, ist zu entscheiden, ob Sie einem anderen mit einer Organspende helfen wollen oder nicht. Sie können ruhig nach Hause gehen, obwohl der Leib noch lebendig ist." - Wie bei uns!

Ich jedenfalls würde nach all den schmerzlichen Erfahrungen nie mehr ein Kind im Sterben verlassen.

Senden Sie bitte E-Mails mit Fragen zu dieser Website an:
webmaster@initiative-kao.de


Ist ein Organspender unmittelbar vor der Organentnahme eine Leiche oder ein Lebender ohne messbare Hirnfunktion? In dieser Frage nehmen Fachleute aus Medizin, Rechtswesen und Theologie gegensätzliche Positionen ein. Das deutsche Transplantationsgesetz hat diesen Konflikt nicht gelöst. Schließlich leben 97% des Organismus zu diesem Zeitpunkt noch. Dieser Tatsache muss sich jeder bewusst sein und sich vor diesem Hintergrund eine eigene Meinung bilden.

Wir sind eine Initiative von Eltern, die ihre verunglückten Kinder zur Organspende freigegeben haben, ohne die Hintergründe zu diesem Zeitpunkt genau genug zu kennen. Erst nachdem unsere Kinder beerdigt waren, haben wir begriffen, wozu wir ja gesagt hatten. Wir haben begriffen, dass lebende Organe nicht von Menschen entnommen werden können, die so tot sind, wie wir es uns vorgestellt hatten. Wir haben unsere Entscheidung daher bitter bereut. Durch unsere Zustimmung waren unsere Kinder in ihrem Sterbeprozess, in dem sie unserer besonderen Liebe bedurften, ungeschützt alleingelassen und einer Organentnahme überantwortet, die uns hinterher wie das Ausschlachten eines Autowracks erschien.

In dieser Situation haben wir uns entschlossen, durch Aufklärung dazu beizutragen, dass andere Eltern unter ähnlichen Umständen davor bewahrt werden, unvorbereitet wie wir mit der Frage der Organspende konfrontiert zu werden.

Heute entstehen bei den betroffenen Angehörigen oft starke psychische Störungen durch die Selbstvorwürfe, die falsche Entscheidungen aufgrund fehlender Informationen in dieser Frage hervorrufen. Dem soll in Zukunft durch Aufklärung entgegengewirkt werden.



(c) 2008 Copyright Politik-Global Rumpelstilz 2008-11-21


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